Vom 30-jähr. Krieg bis zum Ende der österreichischen Zeit

 

1653 Stirbt Christian von Czettritz
1654 Wüstewaltersdorf wird gekauft von Hans Christoph von Zedlitz aus dem Hause Wilkau und wird Grundherr von Wüstewaltersdorf
1655 Streit um das Brauerei-Recht (Brau-Urbar), das Hans Christoph von Zedlitz nicht mehr zugestanden wurde. Das Brauurbar wurde von den Ratsmannen von Schweidnitz eingezogen, da es angeblich keine Beweise gab, dass Wüstewaltersdorf dieses Recht je hatte.
Die Grundherrschaft hat sich aber selbst geholfen und über diesen Beschluss hinweggesetzt. Neugericht hatte das Brauurbar seit 1607 und durfte es behalten, da Neugericht dieses Recht durch einen Lehnsbrief von 1607 beweisen konnte.
1661 Der Besitzer der Scholtisei diente dem Grundherrn als Dorfschulze. Zur Scholtisei (1) gehören die Handwerksgerechtigkeiten "freier Bierschank, der Herrschaft Bier zu schänken, frei Backen und Branntweinbrennen, frei Fleischerrecht zum Schlachten, mit einer Mehlmühle und Brettmühle (Sägemühle) mit dem Schmiedehause und Schmiederecht. Ferner gehörten dazu ein Gärtnerhäuslein und zwei Gärten, sowie wie zwei Güter (Kleber und Tilger) mit dem "Wasser, was darüber fleusst und der freien Fischerei". Belegt in der Verkaufurkunde von 8. Mai 1661, Käufer ist Elias Stephan Der Käufer musste dem Grundherrn jährlich "viertehalbe Mark, die Mark zu je 48 Weissgroschen (Wgr.) , für das Tilgergut 1 Taler zu 40 Wgr., für das Klebergut 38 Wgr." entrichten. Diese Abgabe war jeweils halbjährlich Walpurgis (1.Mai) und dem Michaelistag (29. September) fällig.   






ab 1647
ab 1663
Ob Wüstewaltersdorf im 30-jährigen Krieg verwüstet und öde wurde, ist nicht belegt, aber Neugericht und Toschendorf lagen wüst.
Der Grundherr folgte hier der Sitte der Zeit, zog die brachliegenden Güter ein und vergab sie an neue Besitzer zu günstigen Bedingungen, wie Beihilfe beim Hausbau und Freistellung von Abgaben für eine bestimmte Zeit. Neuansiedler kamen aus der Nachbarschaft wie auch aus der weiteren Umgebung. Wiederaufbau von Neugericht
Wiederaufbau von Toschendorf
  Die Zeit des Wiederaufbaus war auch eine Zeit der wirtschaftlichen Veränderung. Neben "normalen" Handwerkern finden sich jetzt ungewöhnlich viele Weber. Beleg dafür sind die Tauf- und Trauungsbücher der Friedenskirche in Schweidnitz, in denen alle Eintragungen (für Wüstewaltersdorf) erfolgten. Neben Ackerbau und Holzarbeit fing die Weberei an, ein wichtiger Erwerbszweig zu werden.
1677 (Pfaffen-Grund wird Teil von Wüstewaltersdorf
Grund wurde schon im Mittelalter erwähnt, ist Grund, der dem Pfaffen gehört
1693 (Pfaffen-)Grund erhält eine eigene Gerichtsbarkeit und ein "Gerichts- und Schöppenbuch".
Grund war durch die Pest 1599 fast ausgestorben und wurde Anfang 1600 durch "Leute aus Böhmen" neu besiedelt. die Ortschaften Wüstewaltersdorf, Neugericht, Toschendorf und Grund gelten als die alten 4 Stammgemeinden
1694 Ende des Streits um das Brauurbar, gegen "Erlegung einer Einlösesumme" erlangte Hans Christoph von Zedlitz das Recht zurück, 1703 wurde es kaiserlich bestätigt
Christoph von Zedlitz hatte zu zahlen 758 Gulden und 20 Kreuzer wurde Wüstewaltersdorf sowie 333 Gulden und 20 Kreuzer für Neugericht und Toschendorf. Da der Grundherr nicht in Wüstewaltersdorf ansässig war überlies er das Braurecht dem Scholtisei- und den Mühlenbesitzern, die ihm dafür einen jährlichen Zins zahlen mussten.
1694 Hans Friedrich von Zedlitz erwirbt die Scholtisei nach den Tode des Erbschulzen Krappelt im gerichtlichen Verkauf.
Durch diesen Kauf wird der Dominalbesitz (das Dominium) gegründet.
1696 Kauf eines weiteren Gutes, das Deunertgut (an der Muhlenlehnen nördlich vom Weg zur Kolonie Friedrichsberg)
1697 Im ältesten Urbarium (1) der Herrschaft gehörten zu Wüstewaltersdorf 12 Bauern (groß und klein),Lang- und Kurzgärtner und Häusler, ein Vorwerk (allerdings ein recht ärmliches), sowie Mähl- und Brettmühlen.
1712 Nach zwischenzeitlichen Besitzerwechseln kam der Besitz dauernd zur Grundherrschaft deren von Zedlitz, an Siegmund von Zedlitz und an der Leipe, Erbherr auf Kreisau
1714 Teuerung, Ernte verfaulte wegen zuviel Nässe
1719 Teuerung wegen Dürre
1726 Stirbt Siegmund von Zedlitz, die Besitzungen in Wüstewaltersdorf gehen an seinen jüngsten Sohn Heinrich Wilhelm, der zu diesem Zeitpunkt erst 15 Jahre alt war. Verwaltung des Gutes durch Vormünder
1727 Teuerung und Geschäftsrückgang im Leinenhandel
1728 Zukauf des Opitzgutes (neben dem Deunertgut) zur Herrschaft durch die Vormünder
  Aus den Steuerakten erfahren wir einiges über den Viehbestand des Dorfes
Im Jahre Pferde Kühe Ziegen
1719 34-37 142-158 82-99
1720 29-33 140-155 88-94
1721 31-38 145-159 84-96
1722 36-43 146-154 85-98
1723 41-45 145-162 82-94
1724 44-47 160-173 80-92
1725 43-46 144-166 81-94
1726 42-46 151-167 83-98
Aus "revidierten" Berichten von 1728 (alten Ortsakten) gibt es ebenfalls Angaben über die Ortverhältnisse: Es gab 4 Kretschame (Wirtshäuser), die Größe kann man an den Abgaben erkennen:
  Jährlicher Grund-, Frei-, und Schankzins Eigentümer
Wüstewaltersdorf 6 Taler 7 Groschen  
Grund 6 Taler Erbschulze Gottfried Seyler
Neugericht 4 Taler Erbschulze Christian Lodemann
Toschendorf 4 Taler Schulze Friedrich Berndt
8 Müller, davon 3 Erbmüller und 3 Mietmüller 3 der Mühlmühlen waren zusätzlich Brettmühlen (Sägemühlen) Zusätzlich gab es 2 Lohmühlen
1731 Heinrich Wilhelm von Zedlitz übernimmt volljährig das geerbte "Gebirgsgut" und wird in Wüstewaltersdorf ansässig Er wohnte zunächst auf dem Bauergut unter sehr einfachen Verhältnissen in einem alten Holzhaus. Das "herrschaftliche" Wohnhaus bestand aus 1 Stube, 1 Alkoven,  1 kleinen Oberstube und einer Kammer unter dem Dach. Aus wirtschaftlichen Gründen musste er mit dem Bau eines neuen Hauses noch warten. Er übernahm ein ziemlich heruntergekommenes Gut, dessen Böden "öde und wüst waren, voll Steinhaufen, sumpfig mit Strauchwerk  ... überwachsen". Er blieb bis zu seinem Tode 1789 Grundherr von Wüstewaltersdorf und hat auf alle gutsherrlichen Fragen, Kirchenfragen, wirtschaftliche und Schulfragen seinen Einfluss ausgeübt. Er hat Dorf und Dominium gefördert, in seiner Zeit blühte der Leinwandhandel auf.
1735 Heiratete Heinrich Wilhelm von Zedlitz  Helena Dorothea von der Heyde auf Habendorf, die Ehe blieb kinderlos
1736 Baute Heinrich Wilhelm von Zedlitz ein neues herrschaftliches Wohnhaus, dessen unterer Teil noch steht und zu dem Kasino der Fabrik umgewandelt wurde. Zu dem herrschaftlichen Wohnhaus, oder auch Vorwerk, gehören noch etliche Ställe und das Brauhaus. Die österreichische Landesobrigkeit und später auch Friedrich II. erkannten den herrschaftlichen Besitz als Dominium an.
1727-38 Gibt es eine erste Aufstellung der ansässigen Untertanen, die Grundbesitz hatten
  Heinrich Wilhelm von Zedlitz war Geschäftmann und kluger Verwalter seines Dominiums, förderte den Leinwandhandel, was zusätzlich zum Aufschwung des Dorfes beitrug Verdienste zur Verbesserung seines Hofgutes: z.B. im nassen Jahr 1736 lief er mit hohen Kosten und hohem Aufwand den Boden Stück für Stück entwässern, umgraben und düngen um brauchbaren Acker zu schaffen
  1723 - 1740 entstanden in Wüstewaltersdorf 23 neue Häuser und Stellen, bis 1734 in Toschendorf die 10 Gassenhäuser
  Unter den Einwohnern gab es schon eine ganze Reihe von Webern, insbesondere in Wüstewaltersdorf unter den Freileuten Leinwandhändler. Mit dem Handel stieg die Einwohnerzahl von Wüstewaltersdorf
  Heinrich Wilhelm von Zedlitz gründet seine erste Kolonie Zedlitzheide (Zedlitz-Heyde), den Name setzt sich aus seinem und dem seiner Frau zusammen
  In den gegründeten Kolonien wurden vorzugsweise Arbeitskräfte für den Handel (Weber) untergebracht, da diese mehr Abgaben einbrachten als "der taube und steinige" Boden. Linke Seite von Zedlitzheide steht auf dem Boden der Scholtisei, die rechte Seite auf dem alten Klöbergut.

(1) Informationen über die Begriffe Scholtisei, Dominium, Urbarium (pdf-Datei öffnet in neuem Tab/Fenster)