Objekt Riese - ein Überblick

Objekt Riese, das unterirdische Geheimnis im Eulengebirge, war lange Zeit vergessen und der Name sagte nur Historikern und interessierten Hobbyforschern etwas. War zunächst in der Literatur kaum etwas zu finden, gibt in neueren Büchern und vor allem im Internet im Laufe der letzten Jahre immer mehr interessante Beiträge und Photos, aber auch viele Spekulationen. Mit Verschwinden der Baupläne nach Kriegsende wird der Zeck des gigantischen Projektes für immer ein Geheimnis bleiben.


Zu welchem Zweck begannen im Sommer 1943 die Bauarbeiten, die einen ganzen Bergzug mit einem Stollensystem und unterirdischen Höhlen durchzogen? Sollte eine neue Fabrik zur Munitions- und Raketenfertigung in einem relativ sicheren Gelände angelegt werden? Oder sollte hier ein neues Führerhauptquartier entstehen, nachdem die Wolfschanze in Ostpreußen zu unsicher geworden war. Mein Vater erinnerte sich an Gerüchte in Wüstewaltersdorf, wonach nach Fertigstellung des Stollensystems geplant war, das gesamte Dorf zu evakuieren, um Platz für einen weiteren Ausbau der Anlage zu haben. Dass diese Gerüchte in den Wahn der damaligen Zeit passen und nicht unbedingt von der Hand zu weisen sind, zeigt sich, dass zum Beispiel ähnliche Pläne für Wewelsburg (Westfalen) ebenfalls existierten (dokumentiert im Museum der Wewelsburg).

 

Mich haben diese Geschichten sehr interessiert, dachte aber eher daran, dass heute in den Wäldern und Bergen kaum noch Spuren zu finden sind. Umso erstaunter war ich, dass ich bei auf meiner 1. Reise nach Schlesien 2001 den Hinweis auf ein Museum in Dorfbach fand, wo die Besichtigung der Stollenmöglich war. - Mit Mitteln der europäischen Gemeinschaft wurde das Gelände um das Stollensystem Dorfbach hergerichtet (mit Parkplatz, Fußgängerbrücke und Kiosk). Es sind alle drei dort vorhandenen Stolleneingänge zu besichtigen. Zusätzlich sind auf dem Gelände ein paar alte Schienen verlegt, ein Lore, versteinerte Zementsäcke sowie alte Betonwachtürme zu finden. Interessant ist, dass man dort zusätzlich die alte Feuerwehrspritze aus Wüstewaltersdorf ausgestellt hat.

 

Bei einer weiteren Rundfahrt haben wir in Wüstegiersdorf an der Strasse einen Hinweis auf Osowka gelesen. Mir war dies als der Komplex "Säuferhöhen" ein Begriff, und so folgten wir mit Neugier der Strasse. Für diese Anlage wurde mitten im Wald eine weitere Möglichkeit geschaffen, Stollen zu besichtigen. - Die Umgebung dieses Gelände wurde inzwischen ebenfalls für touristische Zwecke weiter ausgebaut.

Als weiterere Anlage wurde das Stollensystem am Wolfsberg bei Wüstewaltersdorf touristisch erschlossen und kann teilweise besicht werden, wie wir beim letzten Besuch 2012 feststellen konnten.

 

Leider sind nur sehr wenige Hinweise auf die Lager in den W√§ldern ringsum zu finden, die für die vielen Häftlinge und Zwangsarbeiter eingerichtet wurden, die zum Bau der Anlagen erforderlich waren. Diese Lager waren aus einfachsten Materialien errichtet von denen kaum noch Reste zu finden sind.


Auf dem Friedhof in Wüstewaltersdorf sowie auch in Dörnhau stehen Gedenksteine, die an die vielen ums Leben gekommenen Häftlingen, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen erinnern sollen.

 

Hinterer Teil des Friedhofs in Wüstewaltersdorf, in der terrassenförmigen Anlage
wurden Hunderte Tote beerdigt, Häftlinge und Zwangsarbeiter die beim Bau der Anlage umgekommen waren.